Eine wunderschöne Januar-Geschichte

Ich habe diese Geschichte nicht selbst geschrieben. Ich habe sie gefunden – bei jemandem, der sie auch gefunden hat …..

Ich hoffe, dass der Verfasser, die Verfasserin nicht böse ist, wenn wir ihre Worte weiter verbreiten, weil sie uns berührt haben.

Als die Januarfee das Glück suchte❤️

Am ersten Tag des neuen Jahres zog die Januarfee ins Land. Sie war ungeduldig und konnte es kaum erwarten, mit ihrer Arbeit zu beginnen. Das Jahr war neu und rein. Ihr Monat, der Januar, stellte den Anfang der kommenden Zeit dar.
Die Januarfee lächelte. Sie liebte alles Neue und sie liebte ihren Monat.
Voller Vorfreude schwebte sie über das Land. Das aber sah gar nicht neu aus. Es strahlte auch keine hoffnungsfrohe Glückseligkeit aus. Nein, alt und grau schien es zu sein. Verbraucht. Auch traurig irgendwie. Die Menschen und Tiere schienen unzufrieden zu sein mit dem Neuen, das das Jahr im Januar brachte. Viele Tiere schliefen, andere jagten stumm ihrer Nahrung hinterher. Müde schienen sie zu sein. Müde wirkten auch die Menschen. Müde, lustlos, auch ängstlich und bekümmert und dennoch schon wieder nervös und gestresst.
Was war los mit dem Januar? Ermüdete er das Land? Ließ er seine Bewohner nicht zur Ruhe kommen? Jagte er ihnen gar Furcht ein?
Die Fee war bestürzt.
„Wurzelt das neue Jahr im Grau des Winters?“, rief sie aus. „Nein. So stelle ich mir das Leben in meinem Monat nicht vor. Auch im grauesten Grau schimmert ein Leuchten, ein Blau.“
Die Januarfee sah zum Himmel empor. Wolken. Dicke graue Wolken hingen über dem kahlen Land. Für fröhlich weiß glitzernden Winterschnee schien es noch nicht bereit zu sein. Es hatte nur Platz für Kälte, Feuchtigkeit und düstere Ungemütlichkeit.
„Glück!“, murmelte die Fee. „Das Glück für das neue Jahr. Noch fehlt es. Oder zumindest der Glaube daran. Ihm Raum zu schaffen in meinem jungen Monat sollte meine wichtigste Aufgabe sein. In jeder kleinen leisen Freude steckt auch ein Stückchen Glück.“
Sie hob die Arme und breitete sie weit über dem Land aus.
Und weit über das Land legte sich der Atem ihres blau-weiß-grau gestreiften, nach frischem Schnee, Vanille-Eis und heißer Schokolade duftenden Umhangs. Dabei sang sie ihr leises Lied vom kleinen Glück:

„Der Himmel ist grau,
doch siehst du ein Blinken,
ein schimmerndes Winken,
in zaghaftem Blau?

Unsichtbar versteckt,
das Ziel noch verborgen,
im Schleier des Morgen.
Glück dem, der’s entdeckt.

Das Glück prägt die Zeit.
Für jeden ein Stückchen
vom ganz kleinen Glückchen
für jeden bereit.

Noch jung ist das Jahr.
Doch ahnst du ein Freuen,
ein Hoffen des Neuen
stumm zauberzart klar.

Die Januarfee sang ihr Lied viele Tage, und aus ihrem Zauberumhang fielen Millionen klitzekleiner Glücksteinchen auf Straßen und Dächer, in Höfe und Gärten, auf Wiesen und Felder, auf Berge und Wälder, auf Flüsse und Seen, auf Dörfer und Städte. Sie machten das Wintergrau jeden Tag ein bisschen heller und zauberten ein klitzekleines Lächeln in die Gesichter der Menschen.

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Und gemeinsam mit der Januarfee wünsche ich Euch nun alles Gute für das neue Jahr. Mögen alle Eure Wünsche sich erfüllen,
Eure Anna
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Meine Bräuche zwischen Jul und Jahreswechsel

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So ist also auch dieses Jahr ein immergrünes Julbäumchen zum geschmückten Weihnachtsbaum mutiert. Aber wie Ihr sehen könnt, vertragen sich die Göttin, Buddha und Maria ausgezeichnet.

Ja, was beherzige ich nun in dieser „Zeit zwischen den Zeiten“?

Zuerst erneuere ich die Salzsäckchen. Sie sind mit rosafarbenem Steinsalz gefüllt und schützen vor dem Eindringen „böser Geister“. Danach räuchere ich. Dazu verwende ich noch immer die Räuchermischung meiner Großmütter: Wacholder, Holunder, Angelikawurzel, Johanniskraut und Harze. Ich versuche generell heimische Zutaten zum Räuchern zu nehmen. Statt einem Fächer wedle ich mit einem Tannenzweig den Rauch in alle Ecken.  Es ist wichtig, keine auszulassen.

 

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Ich wurde in letzter Zeit immer wieder nach Träumen gefragt. Mein Rat, bevor man etwas Wichtiges vergisst: ein Traumtagebuch. Es gibt Leute, die führen es das ganze Jahr. Ich beschränke ich mich auf die Zwölfnächte. Mögen es auch manche als Unsinn ansehen: in dieser Zeit träumt man wesentlich intensiver als sonst. Und: diese Träume sind nicht immer gleich zu deuten, auch wenn Ihr glaubt, dass dem so wäre. Oft offenbart sich ihre wirkliche Bedeutung erst im Laufe des kommenden Jahres.

Dann wäre da die Sache mit dem Waschen. Ich wasche nicht in dieser Zeit. Gemäss den Anordnungen von Frau Holle ist meine „Wäschekammer“ gut gefüllt mit sauberer und gebügelter Wäsche. Ausnahmen werden nur unter bestimmten Voraussetzungen zugelassen: man hat einen Säugling im Haus oder einen Kranken. Deren Wäsche wird in den hellen Stunden gewaschen und getrocknet. Der Grund: wenn die wilde Jagd mit all ihren Geistwesen des nachts durch die Lüfte zieht, sollte man sich unauffällig verhalten und sich auch nicht sehen lassen, sonst wird man mitgenommen. Das gleiche gilt für Wäschestücke. Fährt ein Geist oder eine verirrte Seele in das Wäschestück hinein und nimmt es mit, stirbt der Besitzer im nächsten Jahr. So heißt es wenigsten, und ich habe keine Lust, diese Maer auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Ich stimme dieses Jagdgeschwader auch gnädig, in dem ich Speise und Trank unter Obstbäumen oder Holunderbüschen als Opfer hinterlasse, wenn ich in dieser Zeit spazieren gehe.

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Man spricht davon, dass schon in grauer Vorzeit die Menschen mit scheußlichen Masken und Peitschengeknalle versucht haben, die Dämonen und bösen Geister zu vertreiben.

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Ob der Zeitrahmen der Realität entspricht, kann ich nicht sagen. Zumindest aus der bereits christlichen Zeit sind diese Bräuche bekannt. Übrig geblieben sind „Silvester“ und „Fastnacht“. Allerdings sind diese Feste sinn- und zweckentfremdet.

In den Zwölfnächten sollte man nicht arbeiten, zumindest keine schweren Tätigkeiten verrichten. Ich mache in dieser Zeit auch langsamer als sonst. Ruhe und Besinnlichkeit, gutes Essen und Trinken, ein wenig Kreativität sowie die Nachschau auf des alte und die Vorschau auf das neue Jahr gehören dazu.

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Zwischendurch backe ich Brotkringel und verschenke sie an meine Freunde und gute Nachbarn. Daraus entstand wohl auch der Brauch mit den Neujahrsbrezeln. Ich backe nach wie vor die Kringel und spreche beim Formen gute Wünsche aus. Wenn sie aus dem Backofen kommen, halte ich sie in den Rauch und segne sie. Dann werden sie an einem roten Band befestigt und müssen nur noch in den Küchen aufgehangen werden. Man wünscht damit „Möge die Nahrung bei Euch im nächsten Jahr nicht ausgehen“. Wer kein Brot backen kann, darf auch zur Backmischung greifen.

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Zur Nachschau auf das alte Jahr, gehört auch alles, was noch zu bereinigen ist: Rechnungen bezahlen, Post beantworten, Streitigkeiten aus dem Weg räumen usw. Es ist wichtig, unbelastet dem Kommenden zu begegnen. Für mich ist der 31.Dezember nur der kalendarische Jahreswechsel, aber ich versuche hier die alte Zeit mit der neuen Zeit in Einklang zu bringen. Gute Vorsätze fürs „neue Jahr“ habe ich dabei nicht, aber ich erlaube mir, der Göttin ein paar Wünsche vorzutragen.

In der ersten Januarwoche dekoriere ich mein Bäumchen ab, und lasse es in seinem immergrünen Kleid bei mir überwintern. Bis der Boden frostfrei ist, und ich ihm draußen ein neues Zuhause suchen kann.

Und jetzt machts gut Ihr Lieben. Wir lesen uns 2018 wieder. Ich wünsche Euch einen gelungenen Jahreswechsel und einen guten und schönen Jahresbeginn. Prosit Neujahr, passt auf Euch auf und bis bald.

Eure Anna

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Die Rockerbraut, letzter Teil

UnbenanntMoin, Moin, pünktlich zum Fest kommt hier der letzte Teil zu der        Geschichte über die Rockerbraut…….

Thomas hatte Ella ausnahmsweise die Anschrift des Motorradfahrers gegeben. Sie wollte dort nach Angehörigen schauen. Sie hatte einfach das Bedürfnis, mit ihnen zu reden. Die Frauen beschlossen, zusammen mit Ella`s Auto, dorthin zu fahren. Babsie hatte sofort Vertrauen zu Ella.

Während der Fahrt erzählte sie aus ihrem Leben und musste wieder weinen.

Dann waren sie am Zielort angekommen. Als Babsie ihre verheulten Augen trocknete und sah, wo sie sich befanden, konnte sie es nicht glauben.

Sie standen vor dem Hochhaus in Billstedt, in dem sie zusammen mit ihren Eltern gelebt hatte. Ella sah nochmal auf ihren Zettel und ging dann zu dem Nachbarhaus.

Jetzt gab es für Babsie kein Halten mehr. Sie lief voraus. Als sie den Namen las, wusste sie genau wo sie klingeln musste.

Nach einem kurzen Moment wurde die Haustür per Summer geöffnet. Im 2. Stock erwartet sie ein alter Mann an der Wohnungstür. Er war erst etwas erstaunt, aber er erkannte Babsie sofort an ihren roten Haaren, die sie immer noch genauso trug, wie als Kind. Er konnte nichts sagen. Er schlurfte voran, setzte sich an den Küchentisch und weinte weiter.

Babsie setzte sich dazu und weinte mit. Nach kurzer Zeit stand sie auf und nahm Rolands Vater in den Arm, um ihn zu trösten. Es dauerte sehr lange, bis er sich ein bisschen beruhigte.

Ella verstand das alles nicht. Sie suchte sich erstmal die Sachen zusammen und kochte einen Kaffee. Nachdem Basie und der Mann sich beruhigt hatten, erklärten sie die Situation.

Rollo war Roland und damit Babsies Jugendfreund. Nachdem seine Mutter einen neuen Mann kennengelernt hatte und er sein Abitur in der Tasche hatte, war er zurück nach Hamburg gekommen und erstmal zu seinem Vater gezogen. Seine Leidenschaft war das Motorradfahren geworden. Die anderen Biker hatten ihn Rollo getauft.

Gestern, gleich nach dem Mittag, hatte er seinen Vater angerufen und ihm erzählt, dass er seine Babsie wiedergefunden habe. Er habe sie sofort erkannt. Er hätte sich mit ihr abends verabredet.

Er freute sich schon auf ihr dummes Gesicht, wenn er ihr alles erklärte.

Dazu kam es dann leider nicht. Ella, Babsie und Rolands Vater redeten noch sehr lange miteinander. Ella konnte diese Geschichte gar nicht glauben.

Stunden später fuhren sie zurück in die Elbchaussee.

Babsie fuhr nach Hause, aber schlafen konnte sie nicht. Die ganze Nacht überlegte sie, wie es weitergehen sollte.

Morgens hatte sie einen Entschluss gefasst.

Sie packte ein paar Sachen und machte sich auf den Weg nach Berlin, in eine ungewisse Zukunft.

Aber warum habe ich diese Geschichte geschrieben. Nun, ich wollte deutlich machen, wie wichtig es ist, den richtigen Einsatzort bei einem Notruf mitzuteilen. Genau gesagt gibt es nur vier Fragen auf die wir, also die Polizei, dringend am Anfang die richtige Antwort erfahren müssen. Sie lauten: Wer? Wann? Was? Wo? …

Wir wünschen euch ein frohes Fest, Gruß Anna und Gerd

Der 5. Beitrag: Wintersonnwende, Julfest, der Beginn der Raunächte und die Geschichte „Wie das Licht wieder auf die Welt kam“

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Wer meine Autobiografie gelesen hat weiß, dass ich seit Jahren mit meinem Donnerstagskreis, Frauen, die den Alten Weg mit mir gehen, die großen Feste des Jahreskreises feiere. So auch morgen, die Wintersonnwende, den kürzesten Tag des Jahres und die längste Nacht.

Ich habe geputzt, gewaschen und gebügelt. Alles sorgsam in den Schränken verstaut. Meine Vorräte sind aufgefüllt, so weit sich das schon machen ließ. Holle soll mit mir zufrieden sein.

Morgenfrüh binde ich meinen neuen Besen aus dem Haselstecken, den ich geschnitten und dem Birkenreisig, das ich gesammelt habe. Der alte Besen kommt morgen Abend ins Feuer. Einen Besen binden ist nicht schwer. Einfach das Reisig mit einem Hanfseil unten an den Stecken binden so, dass es übersteht.  Meist muss man die Birkenzweiglein noch ein bisschen zuschneiden, dass es gleichmässig wird.

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Der Besen muss ja nicht künstlerisch wertvoll sein, aber man soll damit schon kehren können. Und wenn man anfängt ihn zu binden, da kommt eine besondere Stimmung auf. Wenn ich fertig bin, hab ich meistens Zeichen in den Stecken geritzt, ihn gesegnet und ihm, im schlimmsten Fall, etwas vorgesungen. Er funktioniert aber trotzdem. Ich fege damit, rituel,  alle Räume, Treppen, Keller usw. noch einmal durch und stelle ihn dann draußen vor den Eingang. Hier kann ihn Holle sehen. Sie weiß, dass ich meinen Aufgaben nachgekommen bin, und fliegt in den Raunächten an meiner Tür vorbei. So zumindest sagt es die Überlieferung.

Vorm Eingang habe ich außerdem auf jeder Seite ein Buchsbäumchen plaziert. Das dient dazu, die kleinen Unholde zu überlisten. Bevor sie die Schwelle überschreiten können in der Nacht, müssen sie jedes einzelne Blättchen zählen, und da es gar viele sind, verzählt man sich oft und ist damit noch zugange, wenn es hell wird. Dumm gelaufen. Sie müssen sich unverrichteter Dinge verziehen. So zumindest sagt es die Überlieferung.

Damit sind meine Vorbereitungen für die um 0.00 Uhr beginnenden Raunächte erledigt, und ich kann mich anderen Sachen widmen. Heute ist es so weit. Es ist der Tag, an dem die Göttin in Gestalt der weisen Alten das Lichtkind zurück auf die Erde bringt.

Hoffnung zieht auf, in den verzweifelten Gestalten der Vorzeit. Die Stürme lassen nach. Man kann ins Freie. Die Jäger machen sich auf zur Hasenjagd. Wenn ihnen das Glück hold ist, können sie vielleicht ein Reh erlegen. Es soll ein Festmahl geben zum Empfang der Göttin und des Kindes. Die Frauen kehren den Dreck nach draußen, lüften und reinigen die Wäschestücke im Schnee. Mit den größeren Kindern geht es zum Holzsammeln. Es soll ein Feuer geben, dass die Flammen bis zu den Wolken aufsteigen. Geschäftiges Treiben wohin man blickt: das Licht kommt zurück. So zumindest sagt es die Überlieferung.

 

Nun bedeckt der Schnee die Fluren weit und breit;
Der Wald, das Feld, der Garten sind verschneit,
Ein Leichentuch liegt auf der Erde.
Doch wissen wir, darunter formt sich still
Die Pflanze, die zum Lichte dringen will,
Und weil die Überlieferung das so sagt, bereiten wir unser Fest entsprechend vor. Der Platz für das Feuer muss vorbereitet werden. Die Feuerwehr weiß Bescheid und schaut in der Nacht nochmal nach dem Rechten. Wenigstens bei uns ist das so: man kann dort anrufen, sagen wann und wo man ein Feuer macht und ist so auf der sicheren Seite. Während eine Hälfte von uns die Vorbereitungen für das Essen trifft, richtet die andere Hälfte den Lichtweg: viele kleine, weiße Lichter die in einer Spirale zum Feuerplatz führen, wo auch unsere alten Besen zum Verbrennen bereit liegen.

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Ihr könnt natürlich auch eine Lichtspirale zu Hause legen und die Teelichter einzeln an der Mittelkerze anzünden. Wenn man allerdings die Gelegenheit hat, das draußen zu machen, sollte man sie nutzen.

Unser Festessen besteht aus Wintergemüsen und Kartoffeln in verschiedenen Zubereitungsarten, Gegrilltem, frischem Brot, ordentlich Süßkram, Bier und Schnaps. Von Letzterem gönnen wir uns auch am Feuer schon ein Schlückchen, bevor wir die Göttin anrufen:

„Mittwintergöttin, frostige Winterkönigin, Herrin der Eiszapfen, liebreizende Göttin des eisgrauen Frostes. Höre uns, die wir Dich rufen, in dieser dunkelsten aller Nächte. Bring uns Dein Geheimnis und lass uns feiern die Herrlichkeit des Winters und die Wiedergeburt der Sonne.“

Wir machen uns kleine Geschenke: ein Buch, eine Kerze, eine hübsche Seife, solche Dinge. Unsere Bäume sind klein, mit Wurzelballen, und sie bleiben grün, es seie denn man muss sie an Weihnachten schmücken.

Sich das Grüne ins Haus zu holen ist auch keine christliche Erfindung. Kelten, Römer und Germanen nutzten das Grün, um Gutes hereinzuholen und Böses draußenzuhalten

Ja, und dann wird auch gefeiert: getanzt, getrunken und gesungen, denn unsere Göttin ist keine Spaßbremse. Sie liebt es, wenn wir uns ihrer Gaben erfreuen.

Und jetzt habe ich Euch noch eine Geschichte versprochen:

Es war einmal vor sehr langer Zeit, da saßen die Menschen im Winter um die Herdfeuer. Draußen knackte der Frost, es war dunkel und ein eisiger Wind tobte ums Haus. Es war die Zeit, in der der Geschichtenerzähler die Geschichten ihres Volkes weitergab, von Generation zu Generation, weil diese voll alten Wissens waren, das nicht vergessen werden durfte. Und so erzählte er auch von der Zeit, als das Licht wieder auf die Erde kam. Tief drinnen im Wald, dort wo er ganz besonders dunkel war, lebte einst eine Frau in einer Höhle. Bei der Höhle wuchs ein alter, großer Holunderbusch und nicht weit davon entsprang eine Quelle.
Der Holunder war im Mai und im Juni voll von weißen Blüten, im Spätsommer wurden daraus rote Beeren, die dann im frühen Herbst fast schwarz wurden. Das Wasser der Quelle war kristallklar und in dem Bächlein lebten viele verschiedene Fische. Wo es breiter und langsamer wurde, bildete es einen kleinen Teich. Da quakten im Sommer die Frösche und die Libellen schillerten in ihrem bunten zarten Kleid.
Die Frau, die dort alleine in ihrer Höhle lebte, wechselte ihre Gestalt mit den Jahreszeiten. Im Frühjahr war sie ein junges Mädchen, im Sommer eine junge Frau, im Herbst wurde sie älter und im Winter wurde sie zur Greisin. Sie war wunderschön! Ihre Haut war so weiß, wie der frisch gefallene Schnee, ihr Haar so dunkel wie Ebenholz und ihre Lippen so rot wie Blut. Die Frau lebte alleine im Wald in ihrer Höhle.
So ganz alleine war sie eigentlich gar nicht, denn sie sprach die Sprache der Tiere und so hatte sie sehr viele Freunde. Es wurde ihr nie langweilig und sie fühlte sich nie einsam oder hatte gar Angst. Auch vor Krankheit fürchtete sie sich nicht, denn sie hatte einen Bären zum Freund, der ihr von der Kraft der Pflanzen, Pilze und Wurzeln erzählte, die halfen, wenn man krank wurde. Sie waren gute Freunde und als Dank für seine Ratschläge kochte sie ihm leckeres Essen und kraulte ihm den Pelz. Im Winter ruhte er nachts an ihrem Feuer und wärmte sich.

Eines Tages merkte die Frau, dass etwas anders war als sonst, denn es war schon mitten im Sommer und sie wurde nicht älter. Da ging sie zum Teich bei der Quelle. Das Wasser war so ruhig an diesem nebeligen Morgen, dass es glatt war wie ein Spiegel. Sie setzte sich an den Teich und fragte ihr Spiegelbild:

„Spiegel im Teich sage mir,
was wird sein,
was wird geschehen,
lass mich in die Zukunft sehen!“

Da war es eine Weile still, bis eine Stimme sprach:

„Mein liebes Kind, bald wird es sein,
Du bist nicht mehr allein!
Es kommen Drei
Bis der Winter vorbei,
beginnt das Leben neu!“

Da wusste die Frau, dass sie zum neuen Jahr drei Kindern das Leben schenken würde. Als der Bär einige Tage später zu ihr in die Höhle kam, erzählte sie ihm die Neuigkeit. Und weil sie dabei so sehr strahlte, dass die Höhle in Licht gebadet schien, gab ihr der Bär einen Namen: „Ab heute werde ich Dich Hulda nennen – die Strahlende!“
In einer dunklen Winternacht war es dann soweit. Der Bär war bei Hulda und gab ihr Kräuter, die sie stark machten und ihr halfen. In der Morgendämmerung schenkte Hulda drei Mädchen das Leben. Sie waren klein und zart. Ihre Haut war wie die Blütenblätter sich öffnender Rosenknospen und so dufteten sie auch.
Sie sahen sich sehr ähnlich, trotzdem konnte man sie von Geburt an gut unterscheiden, denn eine hatte Haar, das so schwarz war wie die Nacht, das Haar der Zweiten war so golden wie die Sonne am Mittagshimmel und die Dritte hatte Haare so rot, wie die reifen Äpfel im Baum. Vor lauter Freude pflanzte der Bär für jede einen Rosenstrauch neben den Eingang der Höhle. Dann kochte er für Hulda eine Suppe aus Wurzeln und Kräutern um sie zu stärken. Nachdem sie von der Suppe getrunken hatte, fiel sie in einen tiefen Schlaf, aus dem sie nach drei Tagen wieder erwachte. Der Bär brachte ihr ihre Töchter und legte sie ihr vorsichtig in den Schoß: „Wie sollen sie heißen?“ brummte er.
Hulda sah ihre Töchter an und sprach:

„Die erste ist wie die Erde, sie nenne ich Ambeth.
Sie wird das alte Wissen hüten.
Die zweite ist wie der Mond, sie nenne ich Wilbeth.
Sie wird neues Wissen finden.
Und die dritte ist wie die Sonne, sie nenne ich Borbeth.
Sie wird zu den Menschen gehen und ihnen das Wissen bringen.“

„So wird es sein.“ sprach der Bär.

Er blieb wie gewohnt den Winter über bei Hulda und kümmerte sich liebevoll um sie und ihre drei Töchter. Als aber der Bärlauch seine ersten grünen Blattspitzen aus der Erde streckte, sprach er zu Hulda: „Ich werde nun weit weg gehen und wir werden uns in diesem Leben nicht mehr begegnen. Du hast alles gelernt, was ich Dir beibringen konnte. Jetzt muss ich weiterziehen, aber wisse, im Herzen werde ich immer bei Dir sei. Bald wird eine schwere Zeit anbrechen und die Menschen werden vergessen, dass die Bären ihre Freunde und Lehrer sind. Sie werden uns fangen und töten und deswegen wird es einen langen, langen Winter geben und unendlich viel Schnee und Eis. Doch wisse, wenn sich die Menschen wieder an unsere Freundschaft erinnern, werden Licht und Wärme neu geboren werden. Du und Deine Töchter werdet ihnen helfen und es wird wärmer und schöner als je zuvor!““

So sprach der Bär. Eine Bärenträne fiel aus einem seiner Augen auf Huldas Stirn. Und auch sie weinte, als der Bär im Wald verschwand. Hulda fühlte sich zum ersten Mal alleine und ihr war, als hätte sie etwas sehr Kostbares verloren. Doch ihre Töchter aufwachsen zu sehen, erfüllte sie mit soviel Freude und Stolz, dass ihre Traurigkeit bald verflog. Nur manchmal, in langen Winternächten, weinte sie stille Tränen.
Die Jahre vergingen und Hulda lehrte Ambeth, Wilbeth und Borbeth alles, was sie vom Bären gelernt hatte. Über Pflanzen, Tiere, Steine, Sonne und Mond. Über die Kraft Leben zu geben und den Tod zu begleiten, an der Schwelle zu stehen und zu helfen. Sie lehrte sie, das zu sehen, was verborgen war und sich nur finden lies an bestimmten Plätzen zu bestimmten Zeiten. Sie lehrte sie, dass jedes Lebewesen ein eigens Lied hat, einen eigenen Gesang – selbst die Steine sangen.

Wie der Bär vorausgesagt hatte, wurde es Jahr für Jahr kälter. Der Schnee fiel immer früher und in ungeheuren Mengen. Auch wurden die Nächte länger und dunkler. Die Sonne sah man nur noch sehr selten.
Die Menschen wurden oft krank und so ging Borbeth zu ihnen, um zu helfen. Kam sie nach Hause, so erzählte sie von den Bärenjagden. Von Menschen, die Bärenpelze trugen und sogar Bärenjunge töteten. Manche Bärenfamilien hatten sie schon ausgerottet.
So  kam es, dass die Bären sich gänzlich von den Menschen zurückzogen . Die Menschen hingegen vergaßen die alte Freundschaft und fingen an die Bärenkraft zu fürchten, statt sich mit ihr zu verbinden. Sie begannen, die Bären zu hassen und noch erbarmungsloser zu jagen als bisher. Nur die ganz Alten wussten noch von der Verbindung zwischen Bär und Mensch und der Zeit, in der es warm und hell war. Doch auf die Alten hörte niemand mehr. Lange Zeit verging. Die Welt war dunkel und kalt. Alles war weiß von Schnee und Eis. Allein bei Huldas Höhle im Wald schien eine andere Welt zu sein. Dort gab es immer noch die Jahreszeiten, die Pflanzen und Bäume blühten und trugen Obst. Die Hummeln brummten, die Vögel sangen ihr Lied. Noch immer kamen die Tiere zu Hulda und ihren Töchtern und es ging ihnen gut. An einem Winterabend saßen Hulda und ihre Töchter um das Feuer in der Höhle. Hulda erzählte eine alte Geschichte, Ambeth kochte Kräuter, Wilbeth spann Wolle und Borbeth backte Brot – da hörten sie vor der Höhle ein lautes Rascheln, ein Brummen und Grummeln. Hulda lauschte aufmerksam, ihr Herz schlug vor Freude schneller und sie schickte Ambeth vor die Höhle um zu schauen, wer da war. Als Ambeth zurück kam, erzählte sie aufgeregt, es seien drei junge Bärenmänner vor der Höhle, die fragten, ob sie in die Höhle kommen dürften um sich zu wärmen, es wäre so kalt. „Lass sie herein, sie dürfen gerne bleiben!“ rief Hulda. Und so verbrachten die drei jungen Bären den Winter bei Hulda und  ihren Töchtern.  Eines Abends fragte Hulda die Bären: „Wie habt ihr unsere Höhle gefunden?“ „Ei,“ sprach da einer der Bären „unser Vater hat uns erzählt, es gäbe eine Höhle, in der lebe Hulda, die Strahlende mit ihren drei Töchtern. Die wisse um die Freundschaft  zwischen Menschen Bären aus und würden uns freundlich aufnehmen.“

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Da wusste Hulda, dass dies die Söhne ihres alten Freundes waren und war sehr froh darüber.
Zum Frühling verließen die Bären Hulda und ihre Töchter, doch im Spätherbst kamen sie zurück und blieben den ganzen Winter. So ging es Jahr um Jahr. Als nun aber 3 Jahre vergangen waren, sprach Wilbeth eines Abends zu ihrer Mutter:

„ Liebe Mutter, wir haben eine gute Nachricht für Dich, die Dein Herz erfüllen wird. Der Winter, der vor uns liegt wird zwar kälter und dunkler als je ein Winter davor war. Viele Menschen werden sterben weil sie erfrieren oder verhungern. Doch in diesem Winter, in seiner längsten und dunkelsten Nacht, wird das Licht und die Wärme zurück in die Welt kommen, denn meine Schwestern und ich werden in dieser Nacht drei goldenen Kindern das Leben schenken.“ Und so geschah es. Die Menschen wurden immer verzweifelter und die Schwestern begannen die alten Geschichten über die Freundschaft von Menschen und Bären zu ihnen zu bringen. Sie erzählten von ihrer Hochzeit mit den Bärenmännern im jungen Frühling und dass seither in jeder von ihnen ein Kind heranwuchs: halb Bär, halb Mensch.
In ihrer Not hörten die Menschen ihnen und den Alten endlich zu und beschlossen, dass von nun an kein Bär mehr durch die Hand eines Menschen sterben durfte und dass sie sich wieder an die alten Gesetze von Mutter Erde halten wollten. Was bedeutete, dass sie für alles, was sie nahmen auch etwas geben mussten und dass sie nur das nahmen, was sie brauchten. Denn nur so war für alle gesorgt.
Allein, der Winter wurde immer kälter. Immer mehr Menschen starben und so begannen sie zu zweifeln, ob das, was ihnen Ambeth, Wilbeth und Borbeth erzählt hatten, wirklich stimmte.
Und so fanden sich die wenigen, die noch lebten zusammen, in einer Nacht, so dunkel und kalt, dass man es sich kaum vorstellen kann. Einer entzündete eine Fackel und ging allen anderen voran auf den Weg zu Huldas Höhle. Erbärmlich waren sie anzusehen: in Lumpen gekleidet, krank und mager schleppten sie sich dahin. Als sie vor der Höhle angekommen waren, spürten einige schon, dass hier etwas anders war als sonst. Der Ort sah aus, wie aus einer der alten Geschichten. Alles grünte, eine Quelle sprudelte und es duftete nach Blumen.
Lange saßen sie vor dem Eingang der Höhle, noch immer war es tiefe Nacht – da trat Hulda vor sie. In ihren Armen trug sie drei winzige goldene Kinder, die schliefen und sie sprach mit einer Stimme, so kräftig und tief, dass sie jeder hören konnte: „Weil die Menschen von heute an die Bären wieder gut behandeln und sich ihrer beider Freundschaft erinnern, ist es geschehen, dass aus dieser Verbindung drei goldene Kinder geboren wurden.
Von nun an werden die Sonne, die Wärme und das Licht wieder zurück in die Welt kommen. Der lange Winter ist vorbei nach dieser längsten Nacht. Und damit das niemals vergessen wird, soll diese Nacht die Nacht der Mütter sein!“ Als Hulda geendet hatte, ging langsam im Osten zum ersten Mal seit sehr langer Zeit die Sonne auf, als goldener Ball vor einem strahlend blauen Himmel. Die Menschen waren still vor Dankbarkeit und weinten vor Glück.  Seit dieser Zeit nennt man die Nacht der Wintersonnwende auch Mütternacht – Modranicht.

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Ich kenne leider den Verfasser nicht, aber ich sage ihm oder ihr ein herzliches Dankeschön dafür.

In dieser Geschichte steht Hulda für unsere Holle und damit für die alte Göttin, die uns das Lichtkind bringt. Die drei Bethen stehen für die verschiedenen Erscheinungsformen der Göttin. Zu den Bären hatten die Menschen seit ihrer Frühzeit, dass heißt vor tausenden von Jahren, ein mythisches Verhältnis. Für viele Völker war der Braunbär der König der Tiere. Wurde ein Bär getötet, musste der Jäger seine Schuld in einer kultischen Zeremonie sühnen.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen ein schönes Yulfest, feiert und seid fröhlich,

Eure Anna

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Der 4. Beitrag: Die Raunächte – nochmal darüber nachdenken

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Bevor ich mich dem Julfest widme und Euch noch eine Geschichte erzähle, muss ich auf etwas anderes eingehen.

Ich habe gestern ein wenig in Büchern zu den Raunächten  gestöbert und bin überall darüber gestolpert, dass man diese durch und durch „heidnischen“ Gegebenheiten christianisiert und zusätzlich zu einer Selbstfindungsorgie herabwürdigt. Die christliche Weihnacht hat mit dem Ursprung der Raunächte nichts zu tun. Daher ist es komplett unsinnig, sie am 24. oder 25. Dezember beginnen und am Dreikönigstag enden zu lassen.

Selbst der dazwischen liegende Jahreswechsel entspricht nicht den Tatsachen. Silvester ist der Todestag des Papstes Silvester I. und wurde später auch als dessen Namenstag angenommen. Das wir am 31. Dezember den Jahreswechsel feiern, haben wir der Gregorianischen Kalenderreform 1582 n. Chr. zu verdanken. Aber auch vorher schon gerieten die genauen Jahreswechsel unserer Vorfahren, der Kelten und Germanen, in Vergessenheit. Von den Kelten weiß man, dass sie von der Dunkelheit ins Licht gingen, von den Germanen, dass sie sich vom Licht in die Dunkelheit verabschiedeten.

Ich habe in den Rezensionen gesehen, dass die Leser sich für die alten Bräuche interessieren. Sie sind zwar erst im Christentum entstanden,  aber wenn es den Menschen gut tut, sollte man sie ihnen an die Hand geben nicht, ohne darauf hinzuweisen, wann und warum sie entstanden sind. Bei vielen wird man das wohl nicht einmal mehr nachvollziehen können. Da sollte man ehrlich damit umgehen. Je früher allerdings ein Brauch Einzug in unsere Traditionen gehalten hat, um so mehr dürfte er noch ein Körnchen der alten Wahrheiten enthalten.

Ganz sicher jedoch waren unsere Ahnen nicht auf einem Selbstfindungstripp. Das ist NEUZEITLICH. Die Raunächte sind zwar magisch und mysthisch, aber sie waren mit Sicherheit von Angst und Grauen durchsetzt. Die Menschen damals waren noch den Naturgewalten ausgeliefert, wie wir sie zum großen Teil nur im gemütlichen Sessel sitzend am Fernseher mitverfolgen müssen.

Sie verfügten nicht über die Kenntnisse, wie wir sie heute haben. Das Licht war weg. Würde es wiederkommen? Wir wissen , es kommt zurück. Und bis dahin können wir den Schalter anknipsen und es wird hell. Wir können den Ofen befeuern oder die Heizung aufdrehen. Ihr Licht, ihre Wärmequelle, damals war die Sonne. Von ihr hing das Überleben ab, der Aufbau des Viehbestandes, Geburten, die nächste Ernte. Sie saßen da und erfuhren Bedrohungen von allen Seiten, Stürme, Kälte, Hunger, Krankheit, Tod. Natürlich hatten sie eine Feuerstelle. Ein rauchendes Ding, und ich möchte nicht wissen, wie oft der Abzug durch den Schnee verstopft wurde. Ja, genau, Schnee. Dieses weiße Zeug, das vom Himmel herunterfällt und über das wir uns so freuen. Ich glaube nicht, dass unsere Ahnen sich vor Freude darin herumgewälzt haben.

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Die SchamanInnen wussten bereits über die Heilkraft verschiedener Kräuter, Harze und Hölzer Bescheid. Sie wussten auch, dass sie für Sauberkeit in den Behausungen sorgen mussten. Habt Ihr Euch schon einmal überlegt, wie das mit der Notdurft war? Ich glaube nicht, dass sie im Wintersturm nach draußen gegangen sind. Um es mal so auszudrücken: Sie hatten wahrscheinlich so wenig Lust sich den Hintern und die Kronjuwelen abzufrieren, wie wir heute auch. Fazit: es musste eine Ecke in der Hütte geben, in der diese menschlichen (und tierischen) Hinterlassenschaften gestapelt wurden. Sie kehrten mit ihren Besen, um den Unrat vom Boden zu entfernen, und sie räucherten, um Krankheitskeime aus der Luft zu verbannen. Wobei sie das Wort „Krankheitskeime“ nicht gekannt haben. Sie wussten nur, dass da etwas war. Dämonen, die Krankheit und Tod brachten, die man mit Rauch vertreiben konnte.

Ich bin sicher, dass sie die große Mutter und deren Göttinnen und Götter befragt haben, was die Zukunft bringt. So ist das Orakeln ein Bestandteil der Raunächte. Ob sie dazu Ogham-Stäbchen oder Runensteine benutzten, wissen wir nicht genau. Es kann gut sein, dass sie ein Tier geschlachtet und aus seinen Eingeweiden gelesen haben, während die SchamanInnen Träume deuteten. Vielleicht kam auch alles zum Einsatz: ABER GANZ BESTIMMT KEINE KARTEN.

Mit Sicherheit haben Sie ihren Göttinnen und Göttern geopfert ,um sie gnädig zu stimmen. Sie haben ihre AhnInnen um Hilfe gerufen und zum Verweilen eingeladen, weil sie sich Schutz versprachen. Und den ganzen Tag eingesperrt in einem Raum,  werden sie auch Handarbeiten erledigt haben, wie später die Bauern und Bäuerinnen im Winter das auch taten.

Also fassen wir zusammen: räuchern, opfern, orakeln, handarbeiten gehört zum alten Weg der Raunächte. Ebenso wie die Ausübung des Ahnenkultes und die Aus- und Vertreibung der Dämonen und sonstigen üblen Geistwesen.

Diese Verrichtungen können wir von der alten Zeit in die Neuzeit übertragen. Alles andere ist im Laufe der Jahrtausende hinzugekommen. Hier müssen wir entscheiden, was wir zulassen wollen und was nicht. Wir müssen nur unterscheiden können zwischen Sinn und Unsinn. Wobei die Mythen, Legenden und Märchen und was immer damit zusammenhängt, ein Stück unserer alten Kultur und unseres alten Glaubens sind, das wir pflegen sollten, ob es der Christenheit nun gefällt oder nicht.

Wie ich in einer Rezension gelesen habe: „alles Aberglauben, Quatsch, ich bin ein moderner Mensch und Realist.“ Ignoranz? Arroganz? Dummheit? Unsere Altvorderen waren keine Idioten. Wenn sie nicht fähig gewesen wären zu überleben, gäbe es uns heute nicht. Ich wäre vorsichtig damit, mich nur auf modernes Wissen und moderne Errungenschaften zu verlassen und den Realismus so hoch einzuschätzen.

Darum lasst uns dem Alten Weg folgen, den Neuen Weg aber nutzen so lange es dauert.

Und gleich lesen wir uns wieder, denn morgen feiere ich die Wintersonnwende und die Wiedergeburt des Lichtkindes,

Eure Anna

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3. Beitrag: Die Raunächte – was sind sie und wie können wir sie heute erleben?

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Was sind sie, diese Raunächte, diese vierundzwanzigstündigen Zwölfnächte?

Und wie heißen sie wirklich „Raunächte“ oder Rauchnächte“? Rau, wegen der Rauheit der Jahreszeit? Weil die Menschen sich in raue Felle kleiden mussten, um der Kälte Herr zu werden? Rauch, weil der Rauch allgegenwärtig war in den Behausungen oder weil man räucherte, um Ungeziefer, Mief und Krankheiten zu begegnen? Wir wissen es nicht und werden es auch nie erfahren. Vielleicht gilt ja von beidem etwas.

Man nennt die Zwölfnächte „aus der Zeit gefallen“, da sie eine Zeitspanne umfassen, die der Umrechnung vom Mondkalender zum Sonnenkalender zum Opfer fiel. Und Nein, man kann sie durch diese Umstellung nicht „christianisieren“, nur weil der gregorianische Kalender sich am Sonnenjahr orientiert. Sonnenkalender gab es  schon ca. 3000 Jahre v. Chr. Es scheint, als hätte diese Änderung „wirtschaftliche Gründe“ gehabt.

Da wir uns hier nicht der Christianisierung  und den daraus entstandenen Volksbräuchen unterwerfen, begehen wir die Raunächte dann, wenn sie nach „heidnischem“ Brauch beginnen und enden:

Die Wintersonnwende fällt 2017 auf den 21.Dezember.

In der Nacht vom 21. auf den 22.12, um 0.00 Uhr, beginnt die erste Raunacht.

In der Nacht vom 2. auf den 3. Januar, um 0,00 Uhr, endet die letzte Raunacht.

Jetzt stellt Euch vor, hier sind plötzlich 12 Tage und Nächte übrig. Und diese Zeit fällt mit der Wintersonnwende zusammen. Einem Tag, dem die Menschen in grauer Vorzeit entgegen gebangt haben. Wird sie kommen, die Göttin, in ihrer Gestalt der alten Weisen? Wird sie ihnen das Lichtkind bringen? SIE ist die Dreifaltige, die Jungfrau, die Mutter, die Alte.

dreifaltige

Wird sie IHN bringen, den wiedergeborenen Sonnenkönig, den die Göttin in Gestalt der Jungfrau zum Gemahl nehmen wird sobald er „erwachsen“ ist, um mit ihm die Erde zu besamen? Die als Mutter mit seiner Hilfe für Wachstum, für Nahrung, für Heilung, für Geburten sorgt, um die Stämme zu erhalten und die Herden zu vergrößern?

Die Wintersonnwende, auch Julfest genannt, die WENDE,  lässt hoffen, dass die Schrecknisse der dunklen, kalten Zeit bald der Vergangenheit angehören. Wenn wir uns dieses Ereignis vor Augen führen, wird uns bewusst, dass das Julfest das größte Opferfest gewesen sein muss, das unsere Vorfahren im Jahreskreis gefeiert haben.

Wie hatten sie sich bemüht, der Göttin wohlgefällig zu sein. Hatten, so gut es ihnen möglich, war die Vorratsspeicher gefüllt, Kräuter gegen allerlei Krankheiten und Zutaten für Räucherungen gesammelt, Brennmaterial bevorratet, frische Besen gebunden, den Stall, die Hütte und die Gerätschaften gereinigt, die Kleidung und Wäsche gesäubert und in ihren Truhen verstaut. Wir kennen die Göttin, die alte Weise, die viele Namen trägt, wie Holle, Hulda, Gode, Frigg, Percht u.a.m. Wir wissen, wie viel Wert sie auf Vorsorge und Sauberkeit legt. Wir wissen, dass sie belohnen und bestrafen kann.

Lob und Strafe

(Pechmarie und Goldmarie)

In diesen Zwölfnächten wird sie sich aufmachen, um zu sehen ob wir uns ihre Vorgaben zu Herzen genommen haben. Sie wird unsere Sauberkeit und Ordnung prüfen, unsere Vorrats- und Wäscheschränke kontrollieren. Sie schaut, ob wir uns der Ahnen erinnern und sie verköstigen, ob wir Hollunder und Wachholder in Ehren halten und ob wir opfern.

Sie gibt uns die Möglichkeit, uns von Altem zu trennen und uns Neuem zu öffnen. Sie zeigt uns Wege auf, unsere Träume zu deuten, Voraussagen zu treffen (zu losen); sie erhöht unsere Achtsamkeit und unsere Kreativität; sie lockt uns in die freie Natur, um sich mit uns zu verbinden. Sie will, dass wir essen, trinken und fröhlich sind und uns nicht mit Mangelgedanken belasten. Auch dann nicht, wenn wir wenig oder nichts haben.  Denn jeder Gedanke an Mangel kann zur selbstbestimmenden Prophezeiung werden, kann Situationen verbessern oder verschlechtern.

Fürwahr, Holle macht es uns nicht leicht. Ich weiß nicht, wie das gehen soll, Mangelgedanken nicht aufkommen zu lassen, wenn man nichts hat. Wenn man wenig hat, da kann ich mitreden, das habe ich schon erlebt, aber selbst da kann man den Gedanken an Mangel kaum unterdrücken. Doch Holle hält uns zum Opfern an. Die Gabe, die wir dem zukommen lassen, der weniger hat als wir, erkennt sie auch als Opfer an. Lassen wir uns also von IHR inspirieren.

Ich werde nachher zuerst einmal gehen und mir einen kräftigen, bis zur Schulter reichenden Haselstecken besorgen und ein Bündel Birkenreisig für meinen neuen Besen, den ich am Morgen der Wintersonnwende binden will. Heute dient er nur noch einer rituellen Reinigung, aber seine Wirkung ist die Gleiche. Außerdem sorge ich dafür, dass ich Holunderblüten und Wacholderbeeren zum Räuchern zu Hause habe, für die spirituelle Reinigung.

 

Holunderblüten   Wacholder   Besen

Ich mache mich mal auf den Weg. Wir lesen uns zur Wintersonnwende wieder. Und vergesst nicht, zwei kleine Buchsbäumchen zu besorgen, die Ihr rechts und links Eurer Eingangstür aufstellt. Warum verrate ich Euch beim nächsten Mal.

Einen schönen Nachmittag wünsche ich Euch und bis bald an gleicher Stelle,

Eure Anna

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2. Beitrag: Wie erlebten die Menschen damals die Raunächte?

Raunächte

Wenn meine Urgroßmutter von den Raunächten erzählte, wurde es bei uns sehr still in der Stube. Obwohl die Frauen, meine Großmutter und meine Großtanten, zwei Kriege überstanden hatten und ich, gerade mal fünf Jahre alt, auch schon eine Zeit der Not kennengelernt hatte, war es fast unvorstellbar, was die alte Frau zu sagen wusste. Ich saß zwischen ihren Füßen, drückte den Rücken fest gegen ihre Beine und knuddelte meine Göttin, die Großtante Hedwig aus einer alten Soldatendecke für mich genäht hatte.

Wenn ich heute darüber nachsinne, gelingt es mir immer noch nicht, mir vorzustellen, wie hart die Zeit vor  Jahrtausenden für die Menschen wirklich gewesen sein muss. Diese Raunächte, die wir heute begehen, sind ein müder Abklatsch dessen, was unsere Vorfahren durchlebten.

Anders als heute, wo die Leute zum Vergnügen dem Schnee hinterher fahren, um zu rodeln oder Ski zu laufen, gab es überall Schnee und Eis in Hülle und Fülle. Es war dunkel und kalt. Stürme brausten ums Haus und Wölfe heulten in der Ferne. Hier gab es keinen Knopf, um die Heizung eine Stufe höher zu stellen, keinen Schalter, der für elektrisches Licht sorgte, keinen Supermarkt um die Ecke, wo man mit dem Auto hinfahren konnte, wenn die Nahrung nicht reichte. Es gab keinen Arzt und keinen Apotheker und kein Telefon, um den Notdienst zu rufen. Die Menschen waren der Natur ausgeliefert. Selbst in Zeiten größter Bedrängnist war es nicht möglich Hilfe zu holen, da die Gehöfte und Behausungen oft weit auseinander lagen.

Im Innern der Häusern drängten sich die Menschen zusammen. Oft teilten sie sich, der Wärme wegen, den Raum mit dem wenigen Vieh, dass sie über den Winter retten konnten. In der Mitte gab es eine Feuerstelle, unter einer Öffnung im Dach, durch die der Rauch abziehen konnte. Nicht selten verstopfte Schnee diesen „Kamin“. Dann sammelte sich der Brodem in der Hütte und malte seltsame Zeichen und Figuren an die Wände. Zu den normalen Ängsten vor Hunger, Krankheit und Tod gesellte sich nun auch die Angst vor Geistern und Dämonen.

Hilfe kam nur von den Druiden -bei den Kelten- oder von dem haarigen Gesellen, Knecht Ruprecht, genannt -dem Gesandten Odins, bei den Germanen-. Sie brachten Arznei und Nahrung, kümmerten sich um die Kranken und die Toten, spendeten Trost, verhießen die Wiederkehr des Lichtes und hängten zum Schutz gegen die bösen Kräfte und als Hoffnungsträger auf eine bessere, eine wieder „grüne“ Zeit gesegnete, immergrüne Zweige an Stall- und Haustor.

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Wenn die längste Nacht anbrach, warteten die Menschen voller Spannung auf die Göttin in der Gestalt der weisen, alten Frau, die ihnen den kleinen, wiedergeborenen Sonnenkönig brachte, das Lichtkind. Ihre Hoffnung auf das Überleben in dieser unwirtlichen Zeit, auf eine neue Besamung des Landes, eine neue Ernte und die Geburt kleiner Tier- und Menschenbabies.

So erzählte es meine Urgroßmutter vor der Wintersonnwende und den Raunächten als Einstimmung auf das Julfest und zur Erinnerung daran, dass es uns weit besser ging als unseren Vorfahren. Die Göttin hat uns gesegnet, lehrten mich die „Großmütter“ und bis zum heutigen Tag begehe ich die Raunächte, wie sie es mir beibrachten.

Das wars für heute. Ich wünsche Euch einen schönen Abend.

Bis bald an gleicher Stelle. Eure Anna

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Mein erster Beitrag zu den Raunächten: Frau Holle – Grimms Märchen

Wer weiß noch, dass „Frau Holle“ nicht nur eine Gestalt aus Grimms Märchen ist, sondern „Holle“ aus den Mythen und Legenden – auch Holla, Hulda oder Hel genannt, eine Göttin, der vielfältige Aufgaben zugeschrieben werden: Muttergöttin, Totengöttin, Göttin der Jahreszeiten. Für mich ist sie, wie auch im germanischen Glauben, die große Erd- und Himmelsgöttin. Wir werden sie in den Beiträgen über die Raunächte noch näher kennenlernen.

Frau Holle

„Eine Witwe hatte zwei Töchter, davon war die eine schön und fleißig, die andere häßlich und faul. Sie hatte aber die häßliche und faule, weil sie ihre rechte Tochter war, viel lieber, und die andere mußte alle Arbeit tun und der Aschenputtel im Hause sein. Das arme Mädchen mußte sich täglich auf die große Straße bei einem Brunnen setzen und mußte so viel spinnen, daß ihm das Blut aus den Fingern sprang. Nun trug es sich zu, daß die Spule einmal ganz blutig war, da bückte es sich damit in den Brunnen und wollte sie abwaschen; sie sprang ihm aber aus der Hand und fiel hinab. Es weinte, lief zur Stiefmutter und erzählte ihr das Unglück. Sie schalt es aber so heftig und war so unbarmherzig, daß sie sprach: „Hast du die Spule hinunterfallen lassen, so hol sie auch wieder herauf.“ Da ging das Mädchen zu dem Brunnen zurück und wußte nicht, was es anfangen sollte; und in seiner Herzensangst sprang es in den Brunnen hinein, um die Spule zu holen. Es verlor die Besinnung, und als es erwachte und wieder zu sich selber kam, war es auf einer schönen Wiese, wo die Sonne schien und vieltausend Blumen standen. Auf dieser Wiese ging es fort und kam zu einem Backofen, der war voller Brot; das Brot aber rief: „Ach, zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenn ich: ich bin schon längst ausgebacken.“ Da trat es herzu und holte mit dem Brotschieber alles nacheinander heraus. Danach ging es weiter und kam zu einem Baum, der hing voll Äpfel, und rief ihm zu: „Ach, schüttel mich, schüttel mich, wir Äpfel sind alle miteinander reif.“ Da schüttelte es den Baum, daß die Äpfel fielen, als regneten sie, und schüttelte, bis keiner mehr oben war; und als es alle in einen Haufen zusammengelegt hatte, ging es wieder weiter. Endlich kam es zu einem kleinen Haus, daraus guckte eine alte Frau, weil sie aber so große Zähne hatte, ward ihm angst, und es wollte fortlaufen. Die alte Frau aber rief ihm nach: „Was fürchtest du dich, liebes Kind? Bleib bei mir, wenn du alle Arbeit im Hause ordentlich tun willst, so soll dir’s gut gehn. Du mußt nur achtgeben, daß du mein Bett gut machst und es fleißig aufschüttelst, daß die Federn fliegen, dann schneit es in der Welt; ich bin die Frau Holle.“ Weil die Alte ihm so gut zusprach, so faßte sich das Mädchen ein Herz, willigte ein und begab sich in ihren Dienst. Es besorgte auch alles nach ihrer Zufriedenheit und schüttelte ihr das Bett immer gewaltig, auf daß die Federn wie Schneeflocken umherflogen; dafür hatte es auch ein gut Leben bei ihr, kein böses Wort und alle Tage Gesottenes und Gebratenes. Nun war es eine Zeitlang bei der Frau Holle, da ward es traurig und wußte anfangs selbst nicht, was ihm fehlte, endlich merkte es, daß es Heimweh war; ob es ihm hier gleich vieltausendmal besser ging als zu Haus, so hatte es doch ein Verlangen dahin. Endlich sagte es zu ihr: „Ich habe den Jammer nach Haus gekriegt, und wenn es mir auch noch so gut hier unten geht, so kann ich doch nicht länger bleiben, ich muß wieder hinauf zu den Meinigen.“ Die Frau Holle sagte: „Es gefällt mir, daß du wieder nach Haus verlangst, und weil du mir so treu gedient hast, so will ich dich selbst wieder hinaufbringen.“ Sie nahm es darauf bei der Hand und führte es vor ein großes Tor. Das Tor ward aufgetan, und wie das Mädchen gerade darunter stand, fiel ein gewaltiger Goldregen, und alles Gold blieb an ihm hängen, so daß es über und über davon bedeckt war. „Das sollst du haben, weil du so fleißig gewesen bist,“ sprach die Frau Holle und gab ihm auch die Spule wieder, die ihm in den Brunnen gefallen war. Darauf ward das Tor verschlossen, und das Mädchen befand sich oben auf der Welt, nicht weit von seiner Mutter Haus; und als es in den Hof kam, saß der Hahn auf dem Brunnen und rief:

„Kikeriki,
Unsere goldene Jungfrau ist wieder hie.“

Da ging es hinein zu seiner Mutter, und weil es so mit Gold bedeckt ankam, ward es von ihr und der Schwester gut aufgenommen.

Das Mädchen erzählte alles, was ihm begegnet war, und als die Mutter hörte, wie es zu dem großen Reichtum gekommen war, wollte sie der andern, häßlichen und faulen Tochter gerne dasselbe Glück verschaffen. Sie mußte sich an den Brunnen setzen und spinnen; und damit ihre Spule blutig ward, stach sie sich in die Finger und stieß sich die Hand in die Dornhecke. Dann warf sie die Spule in den Brunnen und sprang selber hinein. Sie kam, wie die andere, auf die schöne Wiese und ging auf demselben Pfade weiter. Als sie zu dem Backofen gelangte, schrie das Brot wieder: „Ach, zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenn ich, ich bin schon längst ausgebacken.“ Die Faule aber antwortete: „Da hätt ich Lust, mich schmutzig zu machen,“ und ging fort. Bald kam sie zu dem Apfelbaum, der rief: „Ach, schüttel mich, schüttel mich, wir Äpfel sind alle miteinander reif.“ Sie antwortete aber: „Du kommst mir recht, es könnte mir einer auf den Kopf fallen,“ und ging damit weiter. Als sie vor der Frau Holle Haus kam, fürchtete sie sich nicht, weil sie von ihren großen Zähnen schon gehört hatte, und verdingte sich gleich zu ihr. Am ersten Tag tat sie sich Gewalt an, war fleißig und folgte der Frau Holle, wenn sie ihr etwas sagte, denn sie dachte an das viele Gold, das sie ihr schenken würde; am zweiten Tag aber fing sie schon an zu faulenzen, am dritten noch mehr, da wollte sie morgens gar nicht aufstehen. Sie machte auch der Frau Holle das Bett nicht, wie sich’s gebührte, und schüttelte es nicht, daß die Federn aufflogen. Das ward die Frau Holle bald müde und sagte ihr den Dienst auf. Die Faule war das wohl zufrieden und meinte, nun würde der Goldregen kommen; die Frau Holle führte sie auch zu dem Tor, als sie aber darunterstand, ward statt des Goldes ein großer Kessel voll Pech ausgeschüttet. „Das ist zur Belohnung deiner Dienste,“ sagte die Frau Holle und schloß das Tor zu. Da kam die Faule heim, aber sie war ganz mit Pech bedeckt, und der Hahn auf dem Brunnen, als er sie sah, rief:

„Kikeriki,
Unsere schmutzige Jungfrau ist wieder hie.“

Das Pech aber blieb fest an ihr hängen und wollte, solange sie lebte, nicht abgehen.“

Ja, Frau Holle ist sehr für Ordnung und Sauberkeit. Das werden wir bei der Einstimmung auf die Raunächte noch feststellen.

Inzwischen wünsche ich Euch neue Freude an einem alten Märchen. „Märchen“? – Wir werden sehen.

Eure Anna

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Der Nikolaus oder wer ist er wirklich, der Mann, der im Winter Gaben ins Haus bringt?

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Für mich ist der 6. Dezember nicht der Tag des heiligen Nikolauses, sondern allgemein ein Tag für die Nothelfer, die sich in uralten Zeiten auf den Weg machten, um die oft weit voneinander entfernten Gehöfte und kleinen Orte aufzusuchen. Die Hoffnung auf die Wiederkehr des Lichtes brachten in den dunklen Monaten und Segen für Mensch und Tier.

Lange bevor es den christlichen Nikolaus gab, wanderten die keltischen Druiden durch Dunkelheit, Schnee und Eis, überbrachten Nachrichten von Haus zu Haus und hatten Medizin für die Kranken im Gepäck. Wenn die Vorräte aufgebraucht waren, sorgten sie für Nachschub, so gut das eben zu dieser Zeit ging.

Die Menschen hatten Angst vor Krankheit und Tod, vor Geistern und Dämonen, und davor, dass das Licht nicht wiederkehren und sie in Folge nicht mit einer neuen Ernte würden rechnen können. Der Druide erinnerte sie an die Macht der dreifaltigen Göttin, die ihnen zur Wintersonnwende das kleine Licht gebären würde und segnete sie in IHREM Namen.

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Die Druiden trugen wollweiße oder leinenfarbene Gewänder, darüber aber stets einen andersfarbigen, wohl auch roten grobgwebten Umhang oder eine Decke. Dies war nicht nur dazu gedacht die Kälte abzuhalten. Es machte sie einfach sichtbarer auf der durchgehenden Schneedecke.

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Auch die Germanen kannten ihren Nothelfer. Keinen geringeren als Odin, der auf seinem achtbeinigen Schimmel Sleipnir durch die Lüfte ritt und schaute, wo Not und Elend herrschte, Angst und Qual, Krankheit und Tod. Er setzte seinen treuen Knecht Rupprecht auf der Erde ein, um Linderung zu schaffen, zu heilen, zu helfen, für Nahrung zu sorgen.

Knecht Rupprecht

Ein wilder Gesell, der nichts und niemanden fürchtete. Der die Rute bei sich trug und auch mal Unrecht bestrafte. Die „Artigen“ freuten sich auf sein Kommen, die „Unartigen“ fürchteten ihn. Und das bezog sich nicht, wie heute, nur auf die Kinder.

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Und nun kommen wir zu Nikolaus dem Geschenkebringer. So, wie wir ihn heute kennen, geht er auf einen Heiligen zurück, einen Bischof von Myra, in der kleinasiatischen Region Lykien. Sein Gedenktag wird im gesamten Christentum mit zahlreichen Bräuchen begangen. Sein griechischer Name lautet Nikólaos und war schon zu vorchristlicher Zeit gebräuchlich, was mich etwas nachdenklich macht.

Nikolaus von Myra werden zahlreiche Wunder und gute Taten nachgesagt vom Verschenken seines Vermögens bis hin zur Erweckung von Toten. Bei seiner Grablegung soll am Kopfende seines Sarkophages eine Quelle Salböl und an seinem Fußende eine mit Wasser entsprungen sein.

Er ist der Schutzpatron von fast allem, was man sich vorstellen kann. Aus seinem Schutzpatronat für die Kinder ist wohl das heutige Brauchtum entstanden.

Nikolaus von Myra, St. Nikolaus, war offensichtlich ein guter und freigebiger Mensch, der von mir aus gerne seinen heutigen Gedenktag haben kann. Auch zur Freude der Kinder, die ihre Tüten mit Nachwerk und Geschenke lieben. An all die „Wunder“ zu glauben – das steht auf einem anderen Blatt.

Ich gedenke heute der Druiden, die ihre Mission unter ungleich schwereren Bedingungen erfüllen mussten, und natürlich auch an Odins Knecht, Rupprecht, der am Abend gerne an meine Tür klopfen darf.

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Ich wünsche Euch auf jeden Fall:

Apfel, Nuss und Mandelkern, denn die essen alle gern.

Eure Anna

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